Hallo Michael,
danke, dass Du so offen deine Diagnose und deine Sorgen mit uns teilst.
Es ist ganz normal, am Anfang geschockt zu sein. Setze dich nicht unter Druck - Schock, Wut, Enttäuschung, Frustration, das sind ganz normale Reaktionen auf so eine Diagnose. Die aktive Auseinandersetzung mit deiner Krankheit ist wichtig, und es ist auch wichtig, deine Gefühle zu zu lassen.
Meine Erfahrung mit meiner Krankheit und meiner Familie hat mir gezeigt, dass es für mich sehr wichtig ist, dass alle meine Diagnose kennen und auch mein aktuelles Wohlbefinden. Zum einen ist meine Familie an meinem Befinden interessiert und zum anderen sind sie alle für mich da. Meine Familie und Freunde sind wie ein riesengroßes, starkes Artistennetz, das mich auffängt, wenn es mir mal nicht so gut geht. Natürlich wird es für sie alle am Anfang ein Schock sein. Aber nachdem sie den ersten Schock überwunden haben, können sie für dich da sein und Du wirst sehen, dass sich die Beziehung (in der Regel positiv) verändert.
Du kannst es entweder allen auf einmal sagen oder auch erstmal nur mit deinen Eltern und im Anschluss mit deinen Geschwistern reden.
Wenn Du das Gefühl hast, dass das Reden dich zu viel Kraft kostet, dann kannst Du Ihnen vielleicht auch einen Brief schreiben? Manchmal tut man sich damit leichter.
Vermutlich wirst Du im ersten Moment dann als "Kranker" betrachtet, doch das kann sich auch wieder ändern. Es hängt viel davon ab, wie Du mit der Krankheit umgehst.
Mir z.B. ist es sehr wichtig, dass alle wissen, dass ich eine Erkrankung habe, denn ich bin nicht so leistungsfähig und werde schneller krank als Andere. Da ich an dem Punkt Angst vor Verurteilung habe, ist es mir wichtig, dass meine Umgebung weiß, dass ich manchmal einfach nicht so kann wie ich gerne würde.
Und Du kannst mit gutem Beispiel voran gehen - Du kannst offen mit deiner Krankheit sein und zeigen, dass dein Leben trotz einer Krankheit lebenswert und schön ist. Das ist ja letztendlich die Herausforderung, vor der wir alle stehen. Aber auch hier - setz dich nicht unter Druck.
Ich versuche es so zu sehen: Ich habe jetzt die Chance das zu lernen, was andere erst mit 40/50 Jahren lernen, wenn sie aus dem Hamsterrad der Karriere (durch z.B. einen Herzinfarkt, die typische Managerkrankheit) ausgespuckt werden: Auf mich aufzupassen. Und das hat auch was Schönes.
Ganz liebe Grüße und gute Besserung
Lotta